Familientag HEK x KHBL: Sonnenkunst

Passend zur aktuellen Ausstellung „Thresholds“ von Studio Lemercier wurden am vergangenen Familientag Cyanotypien erstellt, die die Sonne als gestalterische Kraft genutzt haben. Erfahre hier ausserdem, wie du deine eigene Cyanotypie zu Hause nachmachen kannst :—)

Am vergangenen Familientag HEK x KHBL haben wir die letzten Sonnenstrahlen der Augustsonne genutzt, um Cyanotypien entstehen zu lassen. Es waren viele Menschen da, gross und klein liess sich vom Potenzial der Sonne begeistern. Alle wurden kreativ mit dem bereitgestellten Material, suchten selbst nach Blättern und Blüten oder verliehen ihrer Fantasie mit Zeichnungen auf Transparentfolie Ausdruck. Besonders schön war, dass wir mit der Künstlerin Lena Laguna eine Cyanotypie-Expertin dabei hatten. Die Besucher:innen konnten direkt nachfragen, experimentieren und von jemandem lernen, der die Cyanotypie in ihrer eigenen künstlerischen Praxis nutzt.

Familientag mit KBHL x HEK, 30.08.2026

Bei der Cyanotypie wird nur die Sonne als Energiequelle für die Bilderzeugung genutzt. Kein Strom, kein Drucker, nur das Sonnenlicht, das den Abdruck erzeugt. Spannend an der Cyanotypie ist zudem, dass im Zusammenspiel mit der Sonne unerwartete Ergebnisse entstanden sind, da das Endprodukt nie vollständig kontrolliert werden kann.

Studio Lemercier: Thresholds, Ausstellungsansicht HEK

Passend dazu thematisiert die aktuelle Ausstellung im HEK Studio Lemericier: Thresholds die Faszination für Low-Tech-Experimente. Studio Lemercier entwickeln künstlerische Installationen, die die nachhaltige Nutzung technologischer Tools im Kontext von Umweltfragen und Energie hinterfragen. In ihrer künstlerischen Praxis zeigen sie, dass sich die Technologie sogar von Sonnenenergie übertreffen lässt. Früher wurde viel dazu geforscht, wie sich aus natürlichen, unerschöpflichen Ressourcen wie Wind und Sonnenlicht Energie gewinnen lässt. Diese Forschung wurde jedoch von der Kohleindustrie und den damit verbundenen finanziellen Interessen ausgebremst. Heute gewinnt sie wieder an Bedeutung, doch das Potenzial ist bei Weitem nicht ausgeschöpft.In der Forschungsinitiative Solar Lab beschäftigen sich Juliette Bibasse, Joanie Lemercier und Martin Prsion mit natürlichen Kräften, die sie als Materialien verstehen, mit denen gestaltet werden kann.

Cyanotypie designs, Belichtungsphase, 30.08.2026

Wir sehen die Cyanotypie auch als Teil des Solar Labs, das die Künstler:innen in ihrem SOLAR LAB MANIFEST als Experimentierfeld für Versuche, Installationen, Kunstwerke, Ressourcen und Ideen rund um die Sonne beschreiben.

Cyanotypie Anleitung:

Wie funktioniert Cyanotypie?
Man bestreicht ein Trägermaterial (z.B.: Stoff oder Papier) mit einer speziellen Eisen-Lösung, legt Objekte oder ein Negativ darauf und legt alles in die Sonne. Dort, wo Licht auftrifft, färbt sich der Untergrund tiefblau. Die abgedeckten Stellen bleiben weiss. Die typische Farbe entsteht durch eine chemische Reaktion, bei der Eisen(III)- zu Eisen(II)-Ionen reduziert wird und sich unlösliches Preussischblau bildet.

Was du dafür brauchst:

  • Cyanotypie-Set (Eisen(III)-ammoniumcitrat + rotes Blutlaugensalz)
  • Handschuhe
  • Plastikbecher
  • Schwamm
  • Trägermaterial (z.B.: Aquarellapier oder Stoff )
  • Objekte zum Auflegen (Blätter, Blüten, Spitze, Transparentpapier…)
  • Glasplatte (fakultativ)
  • Sonnenlicht
  • Wasserbecken

So geht’s:


1️⃣ Als erstes wird die lichtempfindliche Lösung hergestellt. Arbeite mit Handschuhen und mische beide Komponenten deines Cyanotypie-Sets im Verhältnis 1:1 in einem Plastikbecher.
Wichtig: Dunkle den Raum, in dem du arbeitest zuerst ab um direktes Sonnenlicht zu vermieden. Künstliches Licht kannst du einschalten, da die Lösung nicht darauf reagiert.

 
2️⃣  Trage nun die gemischte Lösung gleichmässig mit einem Schwamm auf dein Trägermaterial auf und lasse es im Dunkeln mehrere Stunden trocknen. Wenn du mehr Papiere vorbereitest, als du braucht, bewahre sie in einer Lichtundurchlässigen Box oder Mappe auf.

 

3️⃣ Nun kannst du deine Ideen auf Papier bringen. Lege deine Objekte darauf aus und wenn du mit deinem Motiv zufrieden bist, nimm das Papier mitsamt Unterlage sorgfältig nach draussen in die Sonne. Wenn die Kanten genau sein sollen, versuche Verschiebungen zu vermeiden. Du kannst die Verschiebungen  jedoch auch nutzen, um mit ihnen zu experimentieren.
Tipp: Falls klare Kanten erwünscht, dann mit Glas beschweren, damit alles plan aufliegt.

4️⃣ Abhängig von der Intensität der Sonne, kann es länger oder weniger lange dauern. Einen genauen Richtwert gibt es dafür nicht. Sobald aber die türkise Farbe deines Papiers dunkler geworden ist, sollte das Papier ausreichend belichtet sein.
Tipp: Je länger die Belichtung, desto kontrastreicher das Bild.

 

5️⃣ Nimm dein Papier zum Wasserbecken und wasche es aus. Schubse es im Wasser hin und her, drehe es auch mal um und tippe ganz leicht auf die Rückseite. Wiederhole den Vorgang so lange, bis ein rein blaues Bild zu sehen ist.

6️⃣  Hänge deine Cyanotypie an eine Wäscheleine auf oder lasse sie flach trocknen. Fertig!